Welche Ursachen es haben kann, warum unser Kind nicht spricht oder sich unerklärlicherweise bei Fremden in Schweigen hüllt, obwohl es zu Hause ein Liedchen nach dem anderen trällert, erklären wir dir in diesem Beitrag. Wir listen mögliche Gründe und Diagnosen auf und beschreiben Beispiele, woher mögliche Ursachen für eine verzögerte oder gestörte Sprachentwicklung kommen können und geben dir Tipps, wie du dein Kind zu Hause selbst fördern kannst.

Was, wenn dein Kind auffällig still ist und nicht spricht?

Auch wenn es die meisten nicht zugeben möchten, als Eltern vergleichen wir unsere Kinder ständig mit anderen, sei es mit dem gleichaltrigen Kind der Nachbarin oder mit den älteren Geschwistern. Schläft es schon durch? Kann es schon krabbeln oder macht es noch in die Windel? Doch nichts ist am auffälligsten in der Entwicklung eines Kindes als seine Fähigkeit zu sprechen, bzw. eben nicht zu sprechen. Wir hören Sätze wie: „Also meine Amelie konnte schon mit eineinhalb sprechen“ und beginnen uns Sorgen zu machen, ob mit unserem eigenen Kind wohl möglich etwas nicht stimmt. Jedes Kind entwickelt sich in seinem eigenen individuellen Tempo.

Doch bei der Sprache ist es mitunter doch sehr wichtig sein Kind genau zu beobachten, um ihm früh möglichst zu helfen, damit die Verzögerung in seiner Sprachentwicklung sich nicht zusätzlich auf seine Persönlichkeitsentwicklung und seine Kommunikationsfähigkeit im Ganzen auswirkt.

Wann sollte man handeln, wenn das Kind nicht spricht?

Die Sprachentwicklung von Kindern verläuft nicht bei allen Kindern gleich. Mit sechs Monaten beginnen Kinder zu brabbeln und quickende Laute von sich zu geben. Sie lachen uns an und können mit einem Jahr erste Wörter, wie „Mama“ oder „Papa“ sagen, indem sie Silben verdoppeln. Mit jedem Tag lernen sie neue Begriffe und können in der Regel mit 2. Jahren an die 50. aktive Wörter sagen. Der Kinderarzt fragt den Wortschatz  bei der U7 durch einen Elternfragebogen ab (SBE-2-KT), um zu schauen, ob bei der sprachlichen Entwicklung deines Kindes alles in Ordnung ist. Sollte dein Kind mit zwei Jahren noch nicht sprechen können ist das meist noch kein Grund zur Sorge, vielleicht ist es ein Spätzünder und gehört zu den sog. „Late Talkern“. Sie sammeln Wörter und holen ihre Rückstände schnell wieder auf.

Meistens werden wir Eltern erst auf das ruhige Verhalten unserer Kinder aufmerksam, wenn unser Kind in den Kindergarten kommt. Für die Kleinen beginnt eine intensive Lernzeit. Der Kontakt zu anderen Kindern und Erwachsenen (Erziehern, anderen Eltern und Fremden) ist besonders in der Eingewöhnungszeit eine echte Herausforderung. Sollte unser Kind nach 4-8 Wochen aber immer noch keinen Zugang zur Spielgruppe gefunden haben und auffallend still sein, dann sollten wir umgehend handeln und dies mit den Erziehern und auch dem Kinderarzt besprechen.  Es ist wichtig, dass eine eventuelle Sprech- oder Sprachstörung früh erkannt wird, damit dein Kind gefördert wird und sich normal entwickeln kann.

Was sind mögliche Ursachen?

Manchmal liegt die Ursache gar an einer bisher unbekannten  Hörschädigung oder  einer Schädigung der Sprechorgane (Aphasie). Auch angeborene Stummheit oder Gehörlosigkeit sollte früh erkannt werden, damit dein Kind trotzdem die Chance bekommt Methoden zu erlernen, wie es sich mitteilen und am normalen Leben teilhaben kann.

Verzögerung oder Störung in der Sprachentwicklung:

  • Late Talker: Einige Kinder beginnen erst sehr spät damit Sätze zu bilden, weil sie noch nicht den notwendigen Wortschatz verfügen oder Worte zunächst nur sammeln. Sie werden in der Fachsprache „Late Talker“ oder „Late Bloomer“ genannt. Mit einem Mal sprudelt es dann aus ihnen heraus, so dass kein Unterschied zu ihren Altersgenossen auffällt.
  • Mutismus: Es gibt Kinder, die entwickeln stressbedingt oder in Folge eines traumatischen Erlebnisses ein partielles oder gar totales Schweigeverhalten (Mutismus). Sie sprechen und spielen nur im vertrauten Umfeld, sobald sie in der Öffentlichkeit sind. Wenn sie Fremden gegenüber stehen flüstern sie nur oder bekommen überhaupt kein Wort über die Lippen. Es ist eine psychische Störung, die durch eine entsprechende Therapie behandelt werden kann. Oft wird Mutismus mit Autismus verwechselt. Auch hier leiden Kinder unter einer Störung, die sie verstummen lässt, obwohl sie in der Lage sind zu sprechen, jedoch ist der Therapieansatz ein anderer.

Angeborene oder Körperliche Schädigungen der Gehör- und Sprechorgane:

  • Schädigung der Sprechorgane: Bei manchen Kindern wird z.B. erst spät erkannt, dass die Stimmbänder oder der Kehlkopf fehlen oder beschädigt sind. Die Schädigung der Sprechorgane führt dazu, dass manche Kinder stumm werden.
  • Angeborene Stummheit: Andere werden bereits stumm geboren. Ein Gendefekt ist schuld daran, dass Teile des Gehirns, die die Sprechorgane steuern nicht richtig
  • Aphasie: In Seltenen Fällen kann es auf Grund einer Hirnschädigung, z.B. durch eine Hirnblutung- oder Entzündung zu verschiedenen Störungen kommen. Kinder vergessen z.B. das Sprechen oder es fällt ihnen schwer Worte auszusprechen und zu vernünftigen Sätzen aneinander zu setzen. Sie müssen motorische, wie sprachliche Fähigkeit erst wieder mühsam erlernen.
  • Hörschädigung oder Gehörlosigkeit: In einigen Fällen ist eine Schädigung des Gehörs oder eine angeborene Gehörlosigkeit schuld daran, dass dein Kind keine Lautspracheversteht. Es kann nicht sprechen, weil es nicht hört. Ein Besuch bei HNO-Arzt ist wichtig, um schnellstmöglich abzuklären, ob deinem Kind vielleicht schon durch einen kleinen operativen Eingriff geholfen werden könnte.

Wie ist die richtige Herangehensweise, wenn das Kind nicht spricht?

Experten sagen, das die frühe Sprachentwicklung stark davon abhängig sei, welche sprachlichen Kompetenzen die Eltern ihrem Kind mitteilen, d.h. ob wir mit unserem Kind sprechen, es anlächeln, ihm vorlesen oder ihm vorsingen. Kinder kopieren das, was sie sehen und hören. Das gilt auch für die Art und Weise und wie wir sprechen und ob es in der nahen Verwandtschaft Personen gibt, die sprachliche Schwierigkeiten haben, z.B. stottert oder Deutsch nur als Fremdsprache.

1. Vereinbare einen Termin beim Kinderarzt bzw. Sprachtherapeuten:

Meist fällt das Schweigen eines Kindes im Vorschulalter auf, gerade wenn es nach dem Kindergartenstart nach 4-8. Wochen immer noch nicht sprechen mag, ist es sinnvoll sich professionelle Hilfe bei einem Sprachtherapeuten oder Logopäden zu holen. Dieser wird ermitteln, ob dein Kind von Mutismus oder von einer anderen Kommunikationsstörung betroffen ist und begleitet dein Kind in den verschiedenen Lebensbereichen (auch Zuhause). Wenn es auf Grund einer körperlichen Schädigung nicht gut sprechen oder hören kann, wird der/die  Therapeut/in versuchen deinem Kind beizubringen, wie es sich auch non verbal, also mit Gesten oder Gebärdensprache mitteilen kann.

Bei einer psychisch bedingten Sprachblockade oder wenn dein Kind Deutsch als Fremdsprache noch nicht beherrschen sollte, lernt es sich mit einfachen und zunehmend mit komplexeren Worten und Sätzen zu äußern ohne in das alte Schweigemuster zu fallen.

Bei körperlichen Schädigungen der Gehörgänge oder Sprachorgane ist es durch einen kleinen Eingriff beim HNO-Arzt, wie z.B. das Einsetzen von sog. Paukenröhrchen, möglich das Problem zu beheben. Durch eine anschließende Sprachtherapie kann dein Kind seine Verzögerung in der Sprache schnell wieder aufholen.

2. Zeige deinem Kind, dass es trotz Schweigen gemocht wird:

Wie auch der Therapeut, solltest du dein Kind sehr gut beobachten und dir merken, wann es wie reagiert. Dadurch kannst du positive Erfahrungen provozieren und deinem Kind eine helfende Hand reichen, wenn du merkst, dass es sich zurückzieht. Lob ist sehr wichtig. Dabei gilt jedoch eine goldene Regel, die Prof. Dr. Joachim Kutscher nicht treffender hätte formulieren können:

„Man muss das Kind so lassen, wie es ist. Also man muss ihm sogar sagen: Du brauchst nicht zu reden, du kannst dich zurückziehen. Wenn du zusiehst und es macht dir Spaß, das ist in Ordnung, bleib bei uns. Also es muss mit seinem Symptom „Schweigen“ geliebt werden. Es muss gemocht werden, damit es sich nicht erneut versteckt.“ (Zit. Interview im Rahmen der 3 . Mutismus- Fortbildung des StillLeben e.V.)

3. Bewältigt Sprachhemmungen gemeinsam – Mit Humor:

Wir Eltern können unser Kind beispielsweise durch kleine Rollenspiele darin unterstützen, sich auf alltägliche Situationen, wie das Brötchen bestellen beim Bäcker, vorzubereiten. Der Schlüssel ist Geduld und eine große Portion Humor. Über Laute und Worte, z.B. indem ihr gemeinsam Gesten und Tiergeräusche nachahmt oder in Quatschsprache sprecht. Lass dein Kind ruhig auf deinem Rücken reiten und gib ihm zunehmen kleine Aufgaben, die es bewältigen kann.

Ein dickes Lob von dir stärkt sein Selbstvertrauen und hilft dabei seine Hemmungen abzulegen. Gerade bei Kindern, dessen Sprachzentrum z.B. durch eine Erkrankung im Hirn (Aphasie) beeinträchtig wurde, ist es wichtig geduldig und motivierend zu sprechen und besonders auf die Gestik und Mimik zu achten (auch bei gehörlosen oder stummen Kindern). Eine ruhige und positive Gesprächsatmosphäre schafft Vertrauen beim betroffenen Kind. Für den Anfang reicht es auch völlig, wenn wir unserem Kind auch nur reine Entscheidungsfragen stellen, auf die es mit „Ja“ und „Nein“ antworten kann.

Weitere Tipps, wie Kinder zum Sprechen animiert werden können?

Wenn du mehr zu einem einzelnen Thema erfahren möchtest, das dein Kind im Besonderen betrifft, haben wir für die gängigsten Phänomene einen Einzelbeitrag für dich. Du bekommst einen kurzen Einblick in das jeweilige Thema und findest darin weitere interessante Ratschläge dazu, wie du dein Kind in seiner Sprachentwicklung fördern kannst:

  1. Late Talker
  2. Kind leidet an Mutismus
  3. Körperliche Schädigung der Sprechorgane
  4. Angeborene Stummheit
  5. Aphasie
  6. Hörschädigung oder gehörlos.