Bildkarten zur Sprachförderung: Welche passen zu meinem Kind?
Passende Bildkarten zeigen etwas, das dein Kind interessiert und das ihr gemeinsam anschauen, benennen oder nachspielen könnt. Für Handlungen eignen sich Verbenkarten, für ähnlich klingende Wörter Reimkarten und für Formen wie „ein Apfel, zwei Äpfel“ Karten zu Einzahl und Mehrzahl. Entscheidend ist, was ihr damit machen möchtet. Ein großes Set ist nicht automatisch die beste Wahl.
Vielleicht liegen schon Karten bei euch im Regal. Du holst sie heraus, zeigst auf ein Bild und fragst: „Was ist das?“ Dein Kind antwortet zweimal und schiebt den Stapel weg. Das muss nicht bedeuten, dass Bildkarten nichts für euch sind. Vielleicht fehlt gerade die Lust. Vielleicht wäre es auch spannender, die abgebildete Handlung vorzumachen oder eine eigene Geschichte zu erfinden.
Hier erfährst du, wie du Material auswählst, eine kleine Spielrunde gestaltest und einschätzt, ob ihr überhaupt neue Karten braucht.
Was sind Bildkarten zur Sprachförderung?
Bildkarten sind einzelne Karten mit Fotos oder Zeichnungen, zum Beispiel von Gegenständen, Menschen oder Handlungen. Sie können einen gemeinsamen Gesprächsanlass schaffen. Anders als bei einem gebundenen Bilderbuch könnt ihr einzelne Motive auswählen, nebeneinanderlegen oder neu kombinieren.
Ein Bild allein erklärt allerdings noch nicht, was gemeint ist. Auf einer Karte mit einem Kind und einem Ball könnt ihr über „Ball“, „werfen“, „fangen“ oder „spielen“ sprechen. Deshalb lohnt es sich, das Motiv zuerst gemeinsam anzuschauen. Dein Kind entdeckt möglicherweise etwas anderes als du.
Für den Anfang braucht ihr weder eine richtige Antwort noch einen vollständigen Satz. Du kannst erzählen, was du siehst, und auf die Reaktion deines Kindes eingehen. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit empfiehlt, kindliche Mitteilungen aufmerksam aufzugreifen, Gesten einzubeziehen und kein korrektes Nachsprechen einzufordern. Diese Haltung lässt sich auch beim gemeinsamen Betrachten von Karten nutzen.
Welche Karten passen zu welchem Spielanlass?
Wähle zuerst die Aktivität, dann das Material. Möchte dein Kind etwas nachmachen, mit Klang spielen oder von einem Erlebnis erzählen? Die folgende Übersicht hilft bei dieser Entscheidung. Die Beispiele sind eigene Spielideen und keine Zusage, dass ein bestimmtes Motiv in einem gekauften Set enthalten ist.
| Was möchtet ihr machen? | Passende Kartenart | Einfacher Einstieg | Darauf achten |
|---|---|---|---|
| Dinge entdecken und benennen | Fotos oder Gegenstandsbilder | Ein Bild mit dem echten Gegenstand vergleichen | Vertraute, gut erkennbare Motive auswählen |
| Handlungen beschreiben | Verbenkarten | Eine Bewegung vormachen und in Worte fassen | Die Handlung sollte im Bild erkennbar sein |
| Mit Wortklängen spielen | Reimkarten | Zwei Bildwörter aussprechen und ihren Klang vergleichen | Gemeinsam klären, wie ihr die Bilder benennt |
| Einzelne und mehrere Dinge beschreiben | Einzahl-/Mehrzahlkarten | „Ein Schuh, zwei Schuhe“ mit Bildern oder echten Schuhen zeigen | Es geht um Wortformen, nicht um eine Rechenaufgabe |
| Eine Geschichte entwickeln | Szenenbilder oder Bildfolgen | Überlegen, was passiert oder als Nächstes passieren könnte | Einzelbild und vorgegebene Bildfolge unterscheiden |
| Über Gefühle sprechen | Gefühlskarten | Eine Darstellung beschreiben oder freiwillig auswählen | Ein Gesicht verrät nicht sicher, was jemand fühlt |
Der Begriff „Erzählkarten“ wird unterschiedlich verwendet. Manche Anbieter meinen Bildergeschichten, andere Gesprächsfragen. Unsere Lingufino-Erzählkarten „Was denkst du?“ gehören zur zweiten Gruppe: Es sind Fragekarten, keine fortlaufenden Bildfolgen. Für ein Kind, das zunächst gern zeigt und betrachtet, ist das ein anderer Einstieg als eine offene Frage.
Geht es euch vor allem um Gefühle, findest du im veröffentlichten Ratgeber sieben einfache Spiele mit Gefühlskarten passende Anregungen. Für die erste Auswahl genügt es, einen Bereich herauszugreifen.
Wie erkenne ich, ob Bildkarten zu meinem Kind passen?
Passende Karten lassen sich in einer Aktivität verwenden, an der dein Kind teilnehmen möchte. Prüfe vor dem Kauf deshalb neben der Altersempfehlung auch Bildgestaltung, Spielweise und Anleitung.
Schau dir die verfügbaren Beispielbilder an: Ist deutlich, worum es geht? Bei einer Handlungskarte sollte nicht nur ein Gegenstand, sondern die Tätigkeit erkennbar sein. Wenn ihr reimen möchtet, braucht ihr Wörter, die ihr beide kennt. Ein mehrdeutiges Bild kann dagegen beim freien Erzählen gerade interessant sein, weil ihr unterschiedliche Ideen dazu habt.
Überlege auch, wo ihr die Karten nutzen wollt. Am Familientisch betrachtet ihr sie aus kurzer Entfernung. In einer Kita-Runde müssen alle das Motiv sehen können. Eine große Packung mit kleinen Karten löst dieses Problem nicht. Prüfe deshalb Format und Vorschau des jeweiligen Angebots.
Das Lingufino-Bildkarten-Bundle wird im Shop ab drei Jahren empfohlen. Das ist eine Herstellerangabe, keine Aussage darüber, was jedes dreijährige Kind sprachlich können muss. Eine Karte anschauen ist etwas anderes, als selbst Reimwörter zu finden. Passe das Spiel an und beachte die Sicherheitshinweise des Materials.
Sind Fotos oder Zeichnungen besser?
Es gibt für eure Auswahl keinen pauschalen Sieger. Eigene Fotos zeigen vertraute Dinge, etwa den Becher oder das Lieblingsfahrzeug deines Kindes. Zeichnungen können eine Situation übersichtlich darstellen oder zu Fantasiegeschichten einladen. Probiere zunächst aus, welche Bilder dein Kind wiedererkennt und interessant findet.
Du kannst dasselbe Motiv auf zwei Arten anbieten: ein Foto eures Apfels und einen selbst gemalten Apfel. Legt den echten Apfel dazu. „Die sehen verschieden aus. Beides ist ein Apfel.“ Daraus entsteht bereits ein Gespräch, ohne dass ihr ein bestimmtes Kartenformat braucht.
Wie starte ich mit wenigen Karten, ohne mein Kind abzufragen?
Lege zum Ausprobieren zwei oder drei Motive hin und beginne selbst mit einer Beobachtung. Diese kleine Auswahl ist ein praktischer Vorschlag, keine fachliche Mindest- oder Höchstzahl. Dein Kind darf zeigen, sprechen, etwas nachspielen oder die Runde beenden.
Für einen ersten Versuch könnt ihr ein eigenes Foto verwenden, auf dem jemand eine Pflanze gießt. Du sagst: „Da kommt Wasser aus der Kanne.“ Dein Kind zeigt auf die Pflanze. „Die Blume bekommt Wasser“, ergänzt du. Vielleicht erzählt es nun von der Gießkanne auf dem Balkon. Dann seid ihr schon mitten in einem Gespräch.
Falls dein Kind „Blume trinken“ sagt, könntest du antworten: „Die Blume bekommt Wasser. Du möchtest sie auch gießen?“ Du greifst die Idee auf und bietest eine passende Formulierung an. Es braucht keine Wiederholungsrunde. Weitere Beispiele für solche Antworten stehen im Beitrag „Kind beim Sprechen korrigieren“.
Eine Frage ist natürlich erlaubt. Hilfreich ist, wenn du dich wirklich für die Antwort interessierst: „Wen würdest du gern mit der Gießkanne überraschen?“ Lass anschließend Raum. Wenn dein Kind die Karte zur Seite legt, muss daraus kein Gespräch werden.
Wie spiele ich mit Verben-, Reim- und Mehrzahlkarten?
Die drei Kartenarten setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Ihr müsst sie nicht in einer Runde mischen. Wähle eine Idee, die zu eurem heutigen Interesse passt, und beende das Spiel, solange es für euch angenehm ist.
Verben: Eine Handlung vormachen und beschreiben
Nimm ein eigenes Bild vom Winken oder winke deinem Kind einfach zu. „Ich winke dir.“ Vielleicht winkt es zurück oder lässt eine Spielfigur winken. Daraus wird: „Der Bär winkt der Puppe.“ Wer möchte, denkt sich einen Grund aus: Fährt die Puppe weg oder kommt sie gerade an?

Wenn ihr gekaufte Handlungskarten verwendet, sucht eine tatsächlich abgebildete Tätigkeit aus und macht sie nach. Ihr könnt bei einem Wort bleiben oder einen Satz ergänzen. Eine lange Reihe verschiedener Verbformen ist für dieses Spiel nicht nötig.
Reime: Erst benennen, dann auf den Klang hören
Male eine Maus und ein Haus auf zwei Zettel. Benennt beide Bilder gemeinsam. Du sprichst die Wörter noch einmal aus: „Maus. Haus. Die klingen am Ende ähnlich.“ Vielleicht möchte dein Kind die Wörter wiederholen, vielleicht lieber eine Maus ins Haus malen.
Das vorherige Benennen ist wichtig für euren Spielablauf: Sagt dein Kind „Hütte“ statt „Haus“, passt das geplante Reimpaar nicht mehr. Das ist keine falsche Beobachtung. Ihr könnt vereinbaren, für diese Runde „Haus“ zu sagen, oder ein anderes Paar nehmen. Ein eigenes Reimwort zu erfinden ist eine zusätzliche Möglichkeit, keine Pflicht.

Einzahl und Mehrzahl: Vom Gegenstand zum Bild
Stell einen Becher hin und dann einen zweiten dazu. „Hier ist ein Becher. Jetzt sind es zwei Becher.“ Mit einem Apfel und einem weiteren Apfel hört ihr eine andere Form: „Ein Apfel, zwei Äpfel.“ Ihr könnt die Dinge anschließend selbst zeichnen oder passende Fotos machen.

Bei einem Kartenset vergleicht ihr die tatsächlich enthaltenen Einzel- und Mehrzahlbilder. Beschreibe, was du siehst, und lass dein Kind ergänzen. Es muss keine Regel erklären. Die Wortform begegnet euch später beim Tischdecken oder Einkaufen wieder.
Reicht ein Einzelset oder ist ein Bundle sinnvoll?
Ein Einzelset passt, wenn ihr vor allem eine Spielart nutzen möchtet. Ein Bundle kann praktisch sein, wenn ihr zwischen mehreren Bereichen wechseln wollt oder in der Kita Material für unterschiedliche Angebote bereithalten möchtet. Mehr Karten bedeuten nicht automatisch mehr Nutzen.

Unser Lingufino-Bildkartenset-Bundle enthält jeweils 30 Karten zu Verben, Reimen und Einzahl/Mehrzahl sowie die zugehörigen Begleithefte. Es ist damit eine vorbereitete Materialauswahl für die drei beschriebenen Spielrichtungen. Für eine Runde nimmst du nur die Karten heraus, die zu eurer Aktivität passen. Das Bundle enthält weder Silbenjagd noch Nomen-Zauber oder Gefühls- und Erzählkarten.
Interessiert euch ausschließlich das Nachspielen von Tätigkeiten, kannst du dir stattdessen das Bildkartenset Verben ansehen. Für Klangspiele gibt es das Bildkartenset Reime, für den Vergleich von Wortformen das Bildkartenset Einzahl/Mehrzahl. Diese Einzelsets sind Alternativen zum Bundle, keine zusätzliche Einkaufsliste.
Wenn du noch gar nicht weißt, ob dein Kind Karten mag, würde ich zunächst mit eigenen Bildern beginnen. So findest du heraus, welche Spielweise zu euch passt, bevor du Material auswählst.
Kann ich Bildkarten selbst machen oder ausdrucken?
Ja. Für eure ersten Spiele reichen einfache Zeichnungen oder ausgedruckte eigene Fotos. Eine fertige kostenlose PDF-Vorlage ist für die hier beschriebenen Ideen nicht erforderlich; dieser Beitrag enthält keinen solchen Download.
Fotografiere zum Beispiel einen vertrauten Gegenstand vor einem ruhigen Hintergrund. Für Handlungskarten könnt ihr eine Tätigkeit fotografieren, sofern alle Abgebildeten damit einverstanden sind, oder sie zeichnen. Wähle einen gut erkennbaren Ausschnitt und drucke nur die Bilder aus, die ihr tatsächlich verwenden möchtet. Bei Bildern aus dem Internet müssen die Nutzungsrechte passen.
Selbst gemachte Karten haben einen einfachen Vorteil: Du kannst genau das aufgreifen, was dein Kind gerade beschäftigt. Fertige Sets ersparen die Bildauswahl und Vorbereitung und bieten zusätzliche Anleitungen. Beides lässt sich auch kombinieren.
Was, wenn mein Kind keine Lust hat oder kaum spricht?
Dann darf die Kartenrunde ausfallen. Ihr könnt mit echten Gegenständen spielen, zusammen ein Buch anschauen oder beim Anziehen ins Gespräch kommen. Karten sind eine Möglichkeit unter vielen. Im Beitrag zur Sprachförderung im Alltag findest du weitere Anregungen.
Wenn du dir unabhängig vom Kartenspiel Sorgen um das Sprechen oder Verstehen machst, besprich deine Beobachtungen mit der Kinderarztpraxis. Ob allgemeine Anregung genügt oder eine Abklärung nötig ist, lässt sich nicht an den Antworten auf ein paar Karten erkennen. Der Deutsche Bundesverband für Logopädie erläutert, warum Sprachförderung und Sprachtherapie unterschieden werden müssen. Einen Überblick über mögliche nächste Schritte bietet auch „Wann braucht mein Kind Logopädie?“.
Bildkarten sind kein Diagnosetest. Allgemeine Sprachspielkarten sind auch nicht automatisch ein individuell passendes Kommunikationssystem für ein Kind, das Bilder oder Symbole zur Verständigung benötigt. Dafür ist eine gesonderte fachliche Beratung sinnvoll.
Häufige Fragen zu Bildkarten zur Sprachförderung
Zum Ausprobieren genügen zwei oder drei gut erkennbare Motive. Das ist ein Vorschlag für eine übersichtliche Runde, keine feste Regel. Ein einziges interessantes Bild kann ebenfalls reichen.
Nein. Du kannst benennen, beschreiben und auf seine Reaktion eingehen. Zeigen oder Nachspielen sind ebenfalls Möglichkeiten, sich zu beteiligen. Eine korrekte Wiederholung ist keine Voraussetzung für das gemeinsame Spiel.
Nur wenn passende Paare vorhanden sind oder ihr selbst welche zusammenstellt. Zwei gleiche Bilder, zwei Reimwörter und ein Einzahl-/Mehrzahlpaar sind unterschiedliche Paararten. Prüfe den tatsächlichen Inhalt und die Anleitung des Sets.
Sie lassen sich für gemeinsame Betrachtungen und kleine Spielangebote nutzen. Wähle sichtbare Motive und einen Ablauf, bei dem jedes Kind freiwillig mitmachen kann. Nicht jede Packung eignet sich durch ihr Format für eine große Gruppe.
Für eure selbst gemachten Bildgespräche könnt ihr auch Wörter aus euren Familiensprachen verwenden. Reime müssen in jeder Sprache neu geprüft werden: Ein deutsches Reimpaar bleibt nach der Übersetzung nicht automatisch ein Reimpaar. Die Bilder dürfen gleich bleiben, das Spiel kann sich verändern.
Beginne mit dem, was dein Kind gern macht: Bewegungen nachspielen, Bilder betrachten, Wortklänge hören oder Geschichten erfinden. Probiere dazu eine kleine Aktivität aus. Erst danach stellt sich die Frage, welches Material euch dafür noch fehlt.


