Eltern, deren Kinder später sprechen als andere, sogenannte Late Talker, müssen nicht verzagen. Zwar bieten Entwicklungsstufen dahingehend eine gute Orientierung, jedoch legen Kinder häufig auch ihren individuellen Rhythmus an den Tag. Häufig passiert zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr motorisch wie kognitiv nochmal richtig viel.

Was bedeutet das?

Als „Late Talker“ werden Kinder bezeichnet, die mit Erreichen des zweiten Lebensjahres einen Wortschatz von weniger als 50 Wörtern besitzen. Meist beherrschen sie zu diesem Zeitpunkt auch noch keine Zweiwortkombinationen.

Wie viele Kinder sind betroffen?

In Deutschland sind zwischen 10-20% aller Zweijährigen späte Sprecher. Die gute Nachricht ist, dass zwischen einem Drittel und der Hälfte die Defizite bis zum dritten Geburtstag wieder aufholen.

Für alle anderen empfiehlt sich die Sprachförderung mithilfe eines Logopäden oder ähnlichem, da die Wahrscheinlichkeit, dass die gestörte Sprachentwicklung noch im Vorschulalter anhält, bei Late Talkern bis zu 20-mal so hoch ist wie bei anderen Kindern.

Für wen besteht ein Risiko?

Eine verzögerte Sprachentwicklung ist tatsächlich Veranlagungssache.

Existieren nahe Verwandte mit sprachlichen Auffälligkeiten, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass eine Diagnose wie „Late Talker“ vorliegt.

Auch Frühgeborene und Kinder, mit denen wenig gesprochen wird, haben ein höheres Risiko für eine verzögerte Sprachentwicklung. Zudem haben Jungen häufiger sprachliche Schwierigkeiten als Mädchen.

Woran können sich Eltern orientieren?

Spätestens mit der Vorsorgeuntersuchung U7a, welche mit dem dritten Lebensjahr ansteht, wird überprüft, ob dein Kind fehlerfrei ganze Hauptsätze formulieren kann.
Doch schon vorab können sich Eltern an den natürlichen Entwicklungsstufen orientieren.

Rückschlüsse lassen sich auch aus der Alltagsbeobachtung ziehen. Wie gut hört das Kind zu und wie viel versteht es vom Gesagten? Interagiert es mit anderen Menschen? Spielt es häufig alleine oder im Kreise anderer Kinder? Macht es Geräusche beim Spielen?

Sobald Eltern etwas vermuten, empfiehlt sich das Gespräch mit dem Kinderarzt.

Dieser kann mit konkreten Tests feststellen, ob einen verzögerte Sprachentwicklung vorliegt und ob eine Therapie beim Logopäden nötig ist. Zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr machen die Kleinen einen großen Entwicklungssprung. Deshalb kann es ausreichen, sie im Häuslichen zu unterstützen.

Wie können Eltern ihre Kinder sprachlich fördern?

Sprache in jeglicher Form einzubinden, hilft dem Nachwuchs einen Zugang zu finden. Dies kann in Form von Vorlesen, Geschichten erzählen oder auch mithilfe von Spielgruppen stattfinden, in denen gleichaltrige Kinder in Kontakt kommen.

  • Spiele:  Materialien, die mit Sand, Reis oder Bohnen gefüllt sich, schulen das Gehör. Reime oder Singspiele fördern das Verständnis für Melodie und Rhythmus. Außerdem können Spiele oder Alltagssituationen jederzeit mit kindgerechter Sprache begleitet werden. Blickkontakt zu halten ist dabei besonders wichtig, damit sich das Kind angesprochen fühlt.
  • (Bilder)Bücher: Greif- oder Fühlbücher gibt es schon für die Kleinsten. Regelmäßiges Vorlesen wirkt sich zudem  auf den Wortschatz von Kindern aus. Zugehörige Bilder helfen, den Kontext zu verstehen. Ständige Wiederholung sorgt dafür, dass sich Wörter und Satzkonstruktionen einprägen. Mit dem Vorlesen fördern Eltern die Konzentrationsfähigkeit, logisches Denken sowie Vorstellungs- und Einfühlungsvermögen ihres Nachwuchses. Auch das Lesenlernen fällt Kindern, welche mit Büchern aufgewachsen sind, später deutlich leichter.
  • Spielgruppen: Kleinkinder kommunizieren anders als Erwachsene. Wenn Gleichaltrige regelmäßig miteinander in Kontakt kommen, schult dies die Ausdrucksfähigkeit.