Diesen Moment, wenn unsere Kinder das erste Mal „Mama“ oder „Papa“ sagen, vergessen wir wohl nie. Kinder lernen Sprachen schon von Geburt an und besitzen alle Grundlagen, um mit ihrem Umfeld zu kommunizieren. Erfahrt in unserem Beitrag alles über die Sprachentwicklung von Kindern und wie ihr sie beim Sprechen lernen bestmöglich unterstützen könnt.

Wie lernen Kinder Sprachen?

Gurren, glucksen, jauchzen oder weinen: damit signalisieren schon die Allerkleinsten, ob sie hungrig sind, eine neue Windel oder einfach Mamas Nähe brauchen. Der Lernprozess dafür beginnt bereits im Mutterleib. Ab der 22. Schwangerschaftswoche können Babys hören und nehmen Umgebungsgeräusche, die Stimme der Eltern sowie Musik wahr.
Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Kinder schon vor ihrer Geburt Sprachrhythmus, Wortmelodie und einzelne Laute der Eltern im Mutterleib erlernen. Belegt wurde dies anhand der Saug-Rate (High Sucking Rate) von Babys. Die Forscher hatten die Kinder zunächst an bestimmte Laute in ihrer Muttersprache gewöhnt. Anschließend spielten sie den Säuglingen eine andere Sprache mit unbekannten Wörtern vor.

Das Ergebnis: Die Kleinen nuckelten intensiver an ihren Schnullern. Für die Wissenschaftler ein deutlicher Hinweis, dass bei den Babys eine erhöhte Anspannung vorlag. Die Säuglinge waren von der unbekannten Sprache verunsichert.

Folglich erkennen Säuglinge ihre Muttersprache, ohne dabei selbst ein einziges Wort sprechen zu können.

Faszinierend, oder?

Wunderwerk Gehirn

Unser Gehirn leistet jeden Tag aufs Neue Außerordentliches. Die Nervenzellen (Neuronen) laufen ununterbrochen auf Hochtouren. Erlebtes wird abgespeichert, Erinnerungen können abgerufen werden, Sprachen verstanden, sowie die richtige Aussprache von Wörtern gelernt werden.
Damit sich sprachspezifische neuronale Netzwerke im kindlichen Gehirn weiter vernetzen und sich festigen, brauchen Kinder anregenden Input aus dem Umfeld.
Eltern kommunizieren mit ihren Babys in einer hohen Stimmlage, mit vielen Wiederholungen und einer übertriebenen Wortmelodie. Diese Art „Babysprache“ ist ideal, da sie von Säuglingen und Kleinkindern besonders gut wahrgenommen wird. Sie hilft den Kleinen, die Regeln der Muttersprache herauszufinden.
Bei der häufigen Nutzung von Begriffen wie zum Beispiel „Auto“, „Schnuller“ oder „Bagger“ werden zwischen den Nervenzellen im Gehirn feste Verbindungen aufgebaut. Gerade in den ersten vier Lebensjahren entwickeln sich die sprachlichen Strukturen im kindlichen Gehirn sehr schnell.

Durch regelmäßigen sprachlichen Input aus der Umwelt, festigen sich im kindlichen Gehirn viele Verbindungen zwischen unterschiedlichen Hirnregionen.

Die ersten Worte Deines Kindes bleiben Dir sicherlich ein Leben lang unvergessen.

Sprachentwicklung von Kindern im Überblick

0 bis 3 Monate

Von Geburt an können Babys in unterschiedlichen Tonlagen weinen. Auch mit gurren und glucksen teilen sie sich mit. Nach wenigen Wochen überrascht es die Eltern mit dem ersten bezaubernden Lächeln.

3 bis 6 Monate

Es kommen Schmatz- und Zischgeräusche dazu. Das Kind reagiert stärker auf Geräusche in seiner Umgebung und trainiert seine Sprachfähigkeiten durch die Verwendung von Vokalen und ersten Silben.

6 bis 8 Monate

Die Zeit des Brabbelns in Doppelsilben beginnt: „Gaga“ oder „Baba“ werden für alle möglichen Personen und Gegenstände benutzt. Das Kind versteht seinen Namen und nutzt vorrangig Zeichensprache, um mit den Eltern zu kommunizieren.

8 bis 12 Monate

Das Kleinkind kann schon viele Begriffe den passenden Gegenständen richtig zuordnen. Es versteht einzelne Wörter und Aufgaben, wie zum Beispiel: „Stelle den Becher auf den Tisch.“

12 bis 18 Monate

In dieser Phase sprechen viele Kinder ihre ersten Wörter wie „Mama“, „Papa“ oder „WauWau“. Wortähnliche Eigenschöpfungen stehen auf der Tagesordnung, wie zum Beispiel „Didi“ für den geliebten Schnuller. Mit gut 1,5 Jahren beherrschen sie im Schnitt um die 50 Wörter.

18 bis 24 Monate

Nun kommuniziert dein Kind öfters mit Zwei- bis Dreiwortsätzen. Seit Wortschatz beträgt ca. 200 Wörter. Es bildet Sätze aus Substantiven, Verben und Adjektiven. Dabei purzelt das Verb immer noch häufig ans Ende des Satzes.

24 bis 36 Monate

Die richtige Satzstellung funktioniert in dem Alter in der Regel schon gut. Pronomen wie „Ich“ und „Mein“ sowie „Warum-Fragen“ helfen ihm dabei, Wünsche und Handlungen zu beschreiben. Auch komplizierte Lautverbindungen wie „ch“ oder „gl“ in Wörtern werden korrekt ausgesprochen. Sollte dein Kind erst später zu sprechen beginnen, hilft wir unser Artikel über Late Talker weiter.

Von 4 bis 6 Jahre

Nun klappt es auch mit schwierigen Konsonanten in Wörter für gewöhnlich gut. Alle Laute, außer „s“ und „sch“, kann das Kindergartenkind richtig aussprechen. Mittlerweile enthält sein Wortschatz über 2000 Wörter. Das Bilden einfacher Haupt- und Nebensätze, sowie die Formulierung von Fragen erfolgt in den meisten Fällen problemlos.

7 Tipps, um Kinder beim Sprachen lernen zu unterstützen

1. Als Eltern solltest du viel mit deinem Kind plaudern, regelmäßig vorlesen und gemeinsam zum Beispiel anhand von Bilderbüchern neue Begriffe erklären (z. B. anhand von Wimmelbüchern)
2. Nutze jede Gelegenheit, um deinem Kind Gegenstände oder Handlungen zu beschreiben und zu erklären
3. Korrigiere dein Kind, wenn Wörter falsch ausgesprochen oder Sätze falsch gebildet werden. Wiederhole Wörter und Sätze bis sie verstanden werden
4. Nutze Spielsachen in kontrastreichen Farben, rege zu Rollenspielen an und lass Geschichten von deinem Kind nacherzählen
5. Selbst die Allerkleinsten fesseln Reime, Kinderlieder oder Fingerspiele
6. Spreche immer in ganzen Sätzen und wecke mit bunten Bilderbüchern die Sprechfreude deines Kindes
7. In den ersten vier Jahren fällt es Kindern besonders leicht neben der Muttersprache eine zweite Sprache zu erlernen – nutze die Chance für eine bilinguale Erziehung!

 

Noch mehr Tipps? In diesem Artikel haben wir noch einige Möglichkeiten zusammen gefasst, wie du die Sprachentwicklung bei Kindern unterstützen kannst.

Miteinander zu kommunizieren, schafft Nähe und Vertrauen. Mit den richtigen Worten kannst du dein Kind in seinem Handeln bestärken und ihm so immer wieder deine Wertschätzung zeigen.